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Die Technologie der Zukunft: Profit oder Nachhaltigkeit?

März 2011

Die Automobilhersteller rüsten nach und nach auf: Kann Hybrid-und Elektrotechnik unsere neue Zukunft werden?

Gelsenkirchen. Die Autohäuser stehen unter Konkurrenzkampf – Neue Technologien und authentische Alternativangebote zum Schutz der Umwelt stehen immer mehr im Fokus. Ob Hybrid- oder Elektroautos, wie wichtig ist der technologische Umbruch für die einzelnen Unternehmen wirklich und wie wird versucht Neues in der Gesellschaft zu etablieren? – Wir haben nachgefragt!

Dienstag, 16.00 Uhr, Opel/Fiat Doerpinghaus

Wir sind mit dem Vorsitzenden des Autohauses verabredet. Nach einem eher chaotischen Empfang werden wir von dem Vorsitzenden in dessen Büro geleitet.

Schon schnell stellt sich heraus: sowohl Opel als auch Fiat wollen kein „Zwischenmodell-Hybrid“, sie sehen ihre Zukunft in der Elektrotechnologie. „Hybrid inkludiert beides, Elektro- und Ottomotor, das ist erstens zu teuer und zweitens würde es sich für Opel nicht rentieren“, so der Vorstand, „Fiat hat bereits mit dem Fiat 500 erfolgreich ein Elektroauto in Betrieb.“ Der ELE–Konzern fährt dieses Modell mit eigenem Strom. Für den normalen Bürger ist dieses Modell jedoch noch nicht zugänglich, denn der Fiat 500 kann nur an ELE-Zapfsäulen mit Gleichstrom aufgeladen werden. Jedoch gibt es keinen Grund zur Sorge: Ab November wird der neue Opel Ampera als erstes, reines Elektroauto des Konzerns auf den Markt kommen. Um dem Nachfrageverhalten gerecht zu werden, wird er zunächst nur in Kleinserie produziert.

Was ist an Opel Ampera so besonders? Der Opel Ampera kann Zuhause an jeder Steckdose mit Wechselstrom aufgeladen werden. Nach einer Ladezeit von 7-10 Stunden kann er dann ungefähr 150km fahren. Anders als erwartet befindet sich im Motorraum trotzdem noch ein kleiner Benzinmotor, der jedoch, so versicherte uns der Autohausbesitzer, nicht für den Antrieb, sondern zur Stromversorgung im Notfall dient. Dies bringt den Vorteil bei Langstreckenfahrten: Ist die Autobatterie zu 2/3 entladen, schaltet sich der Benzinmotor ein, um für einen konstanten Aufladezustand zu sorgen. Zusätzlich gewinnt man elektrische Energie bei jedem einzelnen Bremsvorgang. Die freigesetzte Energie wird in der Batterie gespeichert. Wie in vielen neueren Geräten auch, befindet sich im Opel Ampera ein Lithium-Ionen-Akkumulator, der bisher in seiner Ladekapazität führend ist. Diese Batterieform jedoch belaufe sich auf einen extrem hohen Preis, ließen wir uns sagen, welcher derzeit bei 5000€-7000€ pro Stück liegt. Des weiteren, so der Autohausbesitzer, müsse man sich in der Batterietechnik noch stark entwickeln, denn bei diesem Preis und einem Gesamtgewicht von bis zu 500 kg ist die Lithium-Ionen-Batterie auf Dauer nicht haltbar. Auch die Alternative, Wasserstoff-Brennstoffzelle, die sich zwar als sehr umweltbewusst erweist, kann keine dauerhafte Lösung sein, da die Materialkosten für einen Normalverbraucher unüberwindbar wären.

Der Opel Ampera wird ab November für 42500€ frei erhältlich sein. Trotz neuer Innovation für den Opel Konzern, äußerte der Autohausbesitzer Zweifel: „Die Hemmschwelle für unsere Kunden wird immer die Frage sein: Wo bekomme ich meinen Strom her und wie kann ich ihn effizient speichern?“

Dienstag, 17 Uhr, Mercedes/Smart, Lueg

Obwohl wir keinen Termin vereinbart hatten, wurden wir freundlich empfangen und professionell bedient. Ohne große Umstände bat man uns, Platz zu nehmen und auf einen Kundenberater zu warten, der sich Zeit für unsere Fragen nehmen würde.

Nach kurzzeitigem Warten wurden wir nett begrüßt und uns wurde die Möglichkeit gegeben, all unsere Fragen auch ohne Termin stellen zu dürfen.

Nach unserer ersten Frage wird deutlich: Mercedes legt seinen Schwerpunkt ausschließlich kundenorientiert. „Wir vertreiben hauptsächlich Hybridautos“, so der Berater, „für unsere Klientel ist es die bessere Alternative. Unsere Kunden sind meist Geschäftsleute und somit auch Langstreckenfahrer! Für sie ist Fahreffizienz und niedriger Verbrauch ausschlaggebend. Deswegen produzieren wir seit einiger Zeit die S- und M-Klasse als Hybrid. Trotz einer deutlichen Minderheit dieser Modelle lässt sich ein hohes Nachfrageverhalten verbuchen.“

In näherer Zukunft wird der Mercedes Konzern auch die B-Klasse als Hybrid vertreiben. Mercedes vermerkt bei seinen Kunden ein stetig wachsendes Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit. Natürlich spielt für die meisten Kunden auch der Faktor Prestige eine wichtige Rolle. Ansehen bei Kollegen und ein reines Gewissen gelten ebenso als Kaufmotiv wie der Wille zur zukunftsorientierten Nachhaltigkeit.

Trotzdem heißt „Hybridauto“ nicht gleich „Preisersparnis“! Ein Hybridauto lohnt sich nur bei wirklichen Langstreckenfahrern. Der Kundenberater rechnet damit, dass es in ungefähr 10 Jahren nur noch Hybridautos auf dem Markt geben könnte und sich Alternativtechnologien in den nächsten Jahren immer mehr etablieren und verbreiten werden. Auch Mercedes sieht sich unter einem technischen Konkurrenzdruck: Seit kurzer Zeit wird in der B-Klasse mit Brennstoffzellen experimentiert, doch auch wie bei Opel ist der Preis das Problem.

Elektroantrieb wird sich bei Mercedes jedoch nicht durchsetzen, da die Fahrdistanz zu niedrig ist und sich Elektromotoren besser in kleine Autos einbauen lassen! Bestes Beispiel hierfür ist Smart, die derzeit ein Elektromodell in der Testphase haben und es noch dieses Jahr auf den Markt bringen wollen. Bei einem solchen Auto rentiert sich der Elektromotor, so der Berater. „Für die Mercedes-Kunden ist dieses Modell jedoch noch nicht vereinbar.“

Donnerstag, 15 Uhr, Toyota Glück-auf

Bei unserer Ankunft wurden wir sofort in Empfang genommen. Bei Toyota hieß es nicht: „Nehmt doch bitte Platz!“, hier legte man Wert auf Lernen am existenten Modell. Umgehend wurden wir zum Toyota Prius geleitet, der in weißer Aerodynamik vor uns stand. Zunächst bekamen wir einen Einblick in den Motorraum. Ein wirklicher Unterschied zum normalen Automotor war uns nicht ersichtlich. Der markante Unterschied wurde uns erst unter dem Kofferraum deutlich, wo sich unter der normal großen Kofferraumfläche eine ziemlich große Lithium-Ionen-Batterie befand, die weder viel Platz im Autoraum einnahm, noch von irgendeiner Bedeutung für den Fahrer ist.

Völlig fasziniert davon, dass uns nun endlich ein fertiges, marktfähiges Modell vor Augen stand, begannen wir auch hier unsere Fragen zu stellen. „Toyota produziert schon seit 14 Jahren Hybridautos!“, diese Erkenntnis überraschte uns ein wenig. Verbucht man einen Umschwung auf alternative Technologien doch erst seit den letzten Jahren. „Die anderen Autohersteller haben verschlafen. Während andere Konzerne die Technologien links liegen ließen, nahm sich Toyota der Technologie an und entwickelte sie stetig weiter.“

Doch auch Toyota beschreibt das derzeitige Problem in der Speicherung der Energie in den Batterien. Doch trotzdem sieht sich Toyota klar im Vorteil: Während andere Konzerne wie Opel ihr erstes fertiges Alternativmodell erst am Ende des Jahres auf den Markt bringen, besitzt Toyota schon zwei Alternativmodelle auf dem Markt: Einerseits den Hybrid Prius, der ab 25000 € als Mittelklassewagen erhältlich ist und andererseits den Kleinwagen Auris, der schon ab 20000€ als Hybrid erhältlich ist. Momentan entscheiden sich Toyotakunden in 25 % aller Fälle für ein Hybridauto. „Das Durchschnittsalter unserer Hybridkunden liegt jedoch bei 40 und älter, was zum einen auf das ausgeprägtere Bewusstsein für Umwelt zurückführen lässt als auch auf den geringen Geräuschpegel. Hybridautos sind sehr leise: Jüngere Kunden legen noch sehr viel Wert auf das authentische Geräusch eines Benzinmotors, der natürlich im Faktor Umweltfreundlichkeit eher im hinteren Bereich anzusiedeln ist. Beim Hybrid jedoch findet sich Technik vereint mit Umweltbewusstsein: Bei bis zu 50 km/h wird rein elektrisch gefahren. Um Energie zu gewinnen können unsere Kunden sogar Solarzellen auf ihrem Autodach einbauen lassen. Diesen Fortschritt können wir nur unseren Kunden ermöglichen, da wir schon früh bemüht waren, regenerative Energie und umweltfreundliche Technologien erschwinglich zu machen. Außerdem bietet der Prius den Kunden aufgrund seiner aerodynamischen Bauweise einen geringen Kraftstoffverbrauch und ein pures Fahrerlebnis. Es gibt keinen Fahrunterschied zwischen einem normalen- und einem Hybridauto. Sogar die Inspektion läuft in selben Abständen und auf dieselbe Weise ab. Man kann sogar sagen, Hybridkunden sehen sich durch den fast inspektionsfreien Elektromotor im Vorteil.“

Toyota kann sich sogar vorstellen, in den nächsten Jahrzehnten, genau wie Mercedes, auf Hybridtechnik umzustellen und Elektrotechnik weiter zu optimieren.

Fazit

In allen drei Autohäusern haben wir umfassende Informationen und Antworten auf unsere Fragen erhalten. Deutlich wurde dabei der Unterschied zwischen jeweiligem Klientel und der technologischen Affinität des Autohauses. Jeder Konzern versucht seine Technik individuell auf seine Kunden abzustimmen und möglichst profitabel zu gestalten.Viel Wert wird dabei auch auf die Umwelt und die Nachhaltigkeit gelegt. Der jeweilige Konkurrenzkampf treibt Innovationen an und bringt neue und bessere Technologien hervor. Jedes Autohaus ist bemüht, neue Technologien erschwinglich zu machen. Wer weiß,vielleicht wird die gesamte Menschheit bald auf Hybrid-und Elektrotechnik umsteigen. Den globalen Öl-und Gasressourcen, sowie unserer Umwelt wäre es zu wünschen.

Christopher Galla, Anna-Lena Hinojo, Moritz Marten & Anna Lena Romanowski