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Gedenkstättenfahrt der Q1 nach Weimar

Vom 5. bis 7. September 2017 sind wir mit insgesamt 29 Schülerinnen und Schülern der Stufe Q1 in Begleitung von Frau Brühl-Schreiner und Herrn Fischer nach Weimar gefahren. Doch auch wenn die Stadt zunächst mit den großen Dichtern der deutschen Klassik in Verbindung gebracht wird, spielt sie durch nahe Lage des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald in der Geschichte und dem Gedenken an Holocaust eine wichtige Rolle.

Bereits am ersten Tag besuchten wir dort die Gedenkstätte, die sich auf dem Gelände des gleichnamigen, ehemaligen Konzentrationslagers befindet. Schon zu Beginn unserer Führung bekamen wir einen Eindruck von den katastrophalen Verhältnissen, die noch im letzten Jahrhundert in dem Konzentrationslager geherrscht haben müssen. Die offizielle Obergrenze von 8.000 Häftlingen wurde praktisch nie eingehalten, auf dem Gelände mussten teilweise bis zu 60.000(!) Männer gleichzeitig hausen. Besonders in den Gefängniszellen für die zum Tode verurteilten Häftlinge wurden die völlig menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Inhaftierten deutlich: Auf weniger als 3m² wurden bis zu 12 Menschen eingesperrt. Die dort inhaftierten Männer durften sich über Wochen hinweg weder hinsetzen, bewegen oder miteinander reden. Wer sich den Anweisungen der SS-Offiziere widersetzte, wurde hingerichtet. Auch auf dem weiteren Weg über das Gelände, erfuhren wir viel über die weiteren Grausamkeiten des menschenfeindlichen Regimes. Näherte sich ein Häftling nach der Arbeit in einem nahe gelegenen Steinbruch dem Zaun um das Gelände zu nah, wurde er erschossen, eine Flucht war kaum möglich. Im Alltag waren die Inhaftierten oft Provokationen der Aufseher ausgesetzt. In vielen Situationen konnten sie nur Fehler machen, die mit dem Tod bestraft wurden.

Eingesperrt wurden in Buchenwald unter anderem Menschen jüdischen Glaubens, anderer Nationalitäten, Homosexuelle, Geistliche und andere Menschen, die nicht dem Idealbild der Nationalsozialisten entsprachen. Die Einordnung von Menschen in diese Gruppen erfolgte teilweise komplett willkürlich. Die Inhaftierten wurden in den Konzentrationslagern zu harter Arbeit und medizinischen Experimenten missbraucht. Wie uns berichtet wurde, musste während des Krieges nahezu jeder Mensch aufpassen, dass ihm keine „jüdischen Verhaltensweisen“ zur Last gelegt wurden, was zu einer sofortigen Inhaftierung geführt hätte.

An den darauffolgenden Tagen mussten wir feststellen, dass viele Weimarer nicht gerne über die Vergangenheit des Stadtteils Buchenwald reden. Gerade bei unserer Stadtführung wurde fast ausschließlich über die von Goethe geprägte Geschichte der Stadt berichtet - über die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt wird laut Aussage von Angestellten der Gedenkstätte auch heute noch geschwiegen.

Insgesamt haben wir in der Gedenkstätte Buchenwald viel über die grausamen Methoden des NS-Regimes gelernt. Auch wenn die dort gewonnenen Eindrücke alles andere als schön waren, war die Exkursion dorthin sehr wichtig. Gerade in einer Zeit des aufstrebenden Rechtspopulismus ist es extrem wichtig, über die Gefahren von Extremismus Bescheid zu wissen.

Bastian Thanscheidt, Q1

von RS